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Geschäftsführung
Sekretariat:
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Grundkonzept
für eine Ausbildung mit Legasthenie
Legasthenie
stellt eine
jener sozial
negativ bewerteten
individuellen Verhaltensweisen dar, die bei unzureichender Förderung
oder Behandlung den Lebensweg
der Betroffenen
nachhaltig bestimmen
kann. Ziel des Konzeptes
ist, die
Ausbildung von
Legasthenikern in
einem komplexen Beruf,
in welchem
die legastheniespezifischen
Begabungen der Wahrnehmung in
hohem Maße gefördert werden. Legastheniker verfügen oftmals über ein sehr
gutes bildhaftes Vorstellungsvermögen, einschließlich der Verarbeitung von
Problemen durch Bildsequenzen über Organisationstalent und Raumgefühl.
In der
Schule werden
diese Fähigkeiten
selten abgefordert;
insofern werden die
eigentlichen Begabungen von
Legasthenikern in
der Schule nicht gebraucht.
Frau Dr. Dummer - Smoch spricht in diesem
Zusammenhang von „Schulintelligenz“, die für eine erfolgreiche
Schullaufbahn erforderlich ist, die unter anderem gute Leistungen im Schreiben
und Lesen beinhalten. Diese sind für alle Fächer notwendig. Schule beachtet
die legastheniespezifischen Stärken nicht; die legastheniespezifischen Schwächen
dafür umso stärker. Schulversagen tritt üblicherweise nicht nur
in Deutsch
auf, sondern
in mehreren
Fächern simultan,
da unter Umständen
Schreibleistungen in allen Fächern zum Notenabzug führen. Mit diesem Konzept sollen daher die Vorzeichen
vertauscht werden – die Stärken sollen gefordert und gefördert werden, ohne
die Schwächen zu vernachlässigen. Denkbar ist daher eine Ausbildung zum Flugzeugbauer, da dieser Beruf zunächst
einmal alle Vorbedingungen legasthenen Denkens erfüllt: · Raumvorstellung, realisieren
zweidimensionaler Darstellungen in den Raum
· Komplexe Abläufe der Tätigkeiten
· Verarbeiten unterschiedlicher Materialien
Insofern beinhaltet die Ausbildung einen, auch in theoretischer Dimension
komplexen Lehrberuf in Kombination mit der Verbesserung der durch die
Legasthenie verursachten Schwächen, einschließlich einer – wenn erforderlich
– psychotherapeutischen Begleitung. Denkbar wäre auch eine Ausweitung des
Konzeptes auf folgende Berufe praxisbegleitend zu einem Fachhochschul- oder
Universitätsstudium: · Diplom-Ingenieur/in - Fahrzeugtechnik
(Luftfahrzeuge) · Diplom-Ingenieur/in - Informatik
· Diplom-Ingenieur/in - Luft-,
Raumfahrttechnik (Flugzeugbau) · Diplom-Ingenieur/in - technische Informatik
· Diplom-Ingenieur/in - Vermessungswesen
· Diplom-Ingenieur/in - Informationstechnik
· Und weitere Weiterhin ermöglicht ein solches Konzept den
Forschungsbereich über Legasthenie zu erweitern. Denkbar sind hier unter
anderem Kooperationen mit Instituten der Sozialforschung an Universitäten, da
gerade in diesem Bereich die Forschung mit dem Ende der Schulzeit endet. Mir ist
derzeit nur
eine Examensarbeit
bekannt, die
sich mit Schul-
und Berufsbiographien von
Legasthenikern auseinander
setzt. Insofern würde das Ausbildungskonzept hier Möglichkeiten schaffen zur
Kooperation mit · der Psychologie
· der Soziologie; hier auch die Möglichkeit
von Längsschnittstudien · der Pädagogik, um adäquate
Unterrichtsmethoden zu entwickeln · der Medizin; speziell die Wertbestimmung von organischen Begleitkrankheiten bzw. Folgeerkrankungen Weitere Kooperationen sind mit der Industrie
denkbar, zum einen durch industrielle Förderung dieses Konzeptes, aber auch um
Legastheniker in Unternehmen unterzubringen und eventuell vorhandene Vorurteile
abzubauen. Aus der volkswirtschaftlichen Perspektive dürften
ebenfalls die Vorteile überwiegen, da mit hoher Wahrscheinlichkeit Spätfolgen
der Legasthenie zumindest reduziert werden. Genaue
Zahlen über
beispielsweise längere
Erkrankungen liegen
leider aufgrund des
mangelnden Interesses
oder auch
der mangelnden Möglichkeiten
der Sozialforschung
nicht vor. Hier wäre es
durchaus denkbar, einen eher unterbelichteten Forschungsbereich in ein anderes
Licht zu rücken. Erste Gespräche
mit Airbus
haben mittlerweile stattgefunden,
mit dem Ergebnis,
das einerseits
Legastheniker mit
einem Berufskompetenztest
hinsichtlich ihrer Eignung
für den
Beruf des
Fluggerätmechanikers getestet werden
sollen; andererseits
sollen Auszubildende
auf Teilleistungsschwächen hin
untersucht werden. Unser Ziel
dabei ist, Legasthenikern bei Airbus Ausbildungschancen einzuräumen, die es
derzeit nur unter guten Bedingungen gibt. Der eingeforderte Notenkanon, Wert
wird insbesondere auf naturwissenschaftliche Noten gelegt, begünstigt
theoretisch die Einstellung. Allerdings birgt die Bewerbung ein beinahe unüberbrückbares
Hindernis, es sei denn sie ist gut korrigiert. Insofern können die
Einstellungsparameter geeignete Bewerber ausschließen. Für den Berufskompetenztest suchen wir daher
junge Legastheniker, die kurz vor ihrem Schulabschluss stehen, die Schulform ist
dabei egal. Für die Einstellung reicht grundsätzlich ein Hauptschulabschluss
aus; Airbus stellt jedoch üblicherweise Realschüler ein. Bei dem
Test selbst
geht es
nicht unbedingt
um die
fachlich richtige Lösung,
sondern vielmehr um die gedankliche Tiefe der Lösung. Es geht nicht um richtig
oder falsch, insofern wird es auch nicht benotet, es geht um die Gedanken zur Lösung
des Problems. Dieser Test erfolgt üblicherweise zum Ende
eines jeden Ausbildungsjahres, um Kompetenzentwicklung
zu dokumentieren
und ist
somit als
ein Instrument zur
Verbesserung der
Ausbildung zu verstehen. Insofern haben Auszubildende bei der ersten
Testung, hinsichtlich ihrer fachlichen Kenntnisse, etwa ein Jahr Vorsprung. Dies
wird bei der Auswertung berücksichtigt. Vor dem Test gibt es eine kleine Einführung in
flugzeugbauspezifische Verbindungen. Dabei nieten die Teilnehmer selbst einmal
Bleche zusammen. Ziel von Airbus ist es, die Ausbildung zu verbessern und nicht unbedingt Legastheniker einzustellen. Wenn Legastheniker diesen Test erfolgreich absolvieren, steht einem Pilotprojekt mit Legasthenikern bei Airbus fast nichts mehr im Wege. Unser Ziel dabei ist, die Ausbildungschancen zu erhöhen.
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